Auf ein Wort

Geistliches Wort zum Oktober 2021

Herbst

Liebe Besuchende unserer Homepage,

vielleicht geht es Ihnen wie mir, dass Sie den Sommer lieben und ihn nun vermissen. Jedenfalls das, was sich Sommer nannte. Und das, was als Sommer in unseren Herzen brannte. Und immer noch brennt. Die Zeit zwischen Juni und September war eingeschnurrt zum „Kurzzeitsömmerchen '21“.
Aber der Herbst hat nicht nur auch schöne Seiten, sondern es mitunter auch ganz schön in sich.
Herbststurm. Herbstsonne. Herbst des Lebens. Herbstmilch. Herbstastern.
Und Birnen.
Von Theodor Fontane lerne ich immer wieder gerne, wie die Birnen und die Gnade zusammenhängen.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Der Monatsspruch Oktober gibt seinen Kommentar:
Lasst uns aufeinander achten und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.
(Hebr. 10,24)

Gut. Ich möchte ich nicht so enden wie der junge von Ribbeck, soviel steht fest! Der Herbst bringe dementsprechend Erkenntnis und Reife. Möglichst allen Menschen, auch denen, die nie aus der Pubertät herauszukommen scheinen...
Mit Birne oder ohne – ich wünsche Ihnen einen schönen Oktober. Mit Herbstsonne und dem guten Gefühl in der Seele, dass Sie es mehr mit dem alten von Ribbeck halten.

Herzlich, Ihr und Euer
Matthias Fricke

Matthias Fricke ZieseniƟ 2
Pastor Matthias Fricke-ZieseniƟ