Auf ein Wort

Geistliches Wort Advent 2020:

Liebe Besuchende unserer Homepage,
heute veröffentliche ich als Wort im Advent meine Predigt am 20.12.2020, gehalten über 1.Mose 18,1-2.

Gnade sei mit euch und der Friede unseres Gottes wohne in euren Herzen. Amen.
    
Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2Und als er seine Augen aufhob, neigte er sich zur Erde und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an mir, deinem Knecht, vorüber. (1.Mose 18,1-2)

Wann haben Sie das letzte Mal gezeltet?!
Leinen spannen, klemmende Reißverschlüsse, Heringe in den harten Boden bekommen... Sie wissen schon.
Es scheint, dass wir uns heute, am 4. Advent,
damit beschäftigen sollen.
Abraham saß an der Tür seines Zeltes.

Wann hatten wir es das letzte Mal heiß.
Wir haben heiße Zeiten, ja, aber damit ist etwas anderes gemeint, das uns nämlich heiß und kalt den Rücken herunter läuft...
Es scheint, dass wir uns heute, am 4. Advent,
daran erinnern sollen.
Abraham saß an der Tür seines Zeltes,
als der Tag am heißesten war.

Letzte Frage: Haben Sie schon einmal im Wald gewohnt?
Zwischen Gräsern, Moos, Laub, Fuchsbauten und Steineichen.
Mitten im Herzen der Natur.
Als hätten wir noch eine weltfremde Frage gebraucht,
scheint es sinnvoll zu sein, sich damit heute am 4. Advent auseinander zu setzen.
Der Herr erschien Abraham im Hain Mamre,
während er an der Tür seines Zeltes saß, als – Sie wissen schon..., als der Tag am heißesten war.

Vor dem Aufschlagen des Predigttextes dachte ich an Advent.
Nun sollte es um Irreales aus Abrahams göttlicher Campingwelt gehen?
Wir dürfen nicht vorschnell aufgeben,
sollten nicht auf erste Eindrücke hereinfallen.
Die Frage nach Gott braucht vielleicht auch Irreales aus dem Steineichenwald, um unser verrücktes Leben aufnehmen zu können.

Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.

Jesus ist genauso wenig am Steinhuder Meer geboren
wie Abraham auf seinem langen Weg ins Gelobte Land
an der Raststätte Wülferode Halt gemacht hat.
Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass hier im Buch Genesis von Abraham geredet wird,
von einem Leben, das eben so war.
Steineichenwald.
Zelt.
Hitze.
Gottesbegegnung.
So, wie das Leben war, hat Gott es angesehen.
So, wie Abraham da saß, ist Gott auf ihn zugekommen.
Ohne Erwartungen.
Ohne Allüren.
Ohne große Worte.
Ohne devotes Anhimmeln.
Gott kommt in dein Leben,
wenn es ganz normal ist,
wenn nicht darauf eingestellt bist,
wenn es keine aufgetakelte Büffet-Gastfreundschaft gibt
und sie auch keiner will und braucht.

In seinem 1943er Weihnachtsbrief aus der Todeszelle der Nazis schreibt Bonhoeffer sinngemäß, dass die Gottesbegegnung eben auch in dieser schmalen, leeren Zelle passiert, dort,
wo das Äußere völlig zurücktritt,
wo es keine Etikette mehr gibt,
wo nicht mehr zwischen arm und reich unterschieden wird,
wo keine Tradition, kein „Das war schon immer so“ existiert.
Mittwoch haben wir im Konfirmandenkurs aus diesem Brief gelesen. Weihnachten 1943. Kennern sagt das alles.
Deutschlands Eroberungskrieg gegen die Welt ist bereits umgekippt in milionenfachen Tod und den Anfang vom katastrophalen Ende des Deutschen Reiches.
Und dann: Gottesbegegnung in der Zelle.

Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.

Womöglich ist es gar nicht so wichtig, sich vorstellen zu können, wie es sich im Wald lebt, wie Zelte geht oder wann es wie heiß war.
Womöglich ist es viel entscheidender,
eine Begegnung mit Gott für denkbar zu halten,
Gott für möglich zu halten.
Wie oft halten uns die Geschäfte davon ab...
Die Gelenkschmerzen, der Wäscheberg,
der Kratzer am Auto, die Tagesschau,
der verloren gegangene Kuß,
die Pflege des Grabes,
Lachen und Weinen.
Und alles ohne Gott.
Ohne Gnade. Ohne Güte. Ohne Glück.
Kann es das sein?
Womöglich will Abrahams Gottesbegegnung genau das in Frage stellen!!
Wie hat er denn reagiert?
Hat er überhaupt regiert?
War er auch so verschlossen und eingemauert,
so abgelenkt vom Wesentlichen
und so eingebildet wie Menschen es heute oft sind?

Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2Und als er seine Augen aufhob, neigte er sich zur Erde und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an mir, deinem Knecht, vorüber. (1.Mose 18,1-2)

Abraham schaut.
Wie viel er sieht!
Abraham erkennt.
Wie gut das tut!
Abraham hofft.
So bleibt er nicht stehen im Leben.
Abraham bittet.
Wie Demut weiterhilft.
Abraham stellt sich in den Dienst.

Abraham spürt, wie wohl ihm ist, wenn Gott nahe ist.
Er nimmt es an, mitten in seinem Leben,
zwischen Steineichen vor dem Zelt sitzend.
Es war heiß.
Ein ganz normaler Tag.
Eine ganz normale Gelegenheit für Gott.

Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre und erneuere eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Matthias Fricke ZieseniƟ 2
Pastor Matthias Fricke-ZieseniƟ