Die Ostergeschichte für Kinder und Familien zum Vorlesen und Gemeinsamlesen

Sarstedt, 13. April 2020
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Ohne Ostern kein Weihnachten. Denn von Ostern her erschließt sich alles andere.  Wir Weihnachten  handelt es sich um ein Geschenk. An Weihnachten hat Gott den Menschen seinen Sohn als Baby geschenkt. In der Ostergeschichte schenkt Jesus sich selbst den Menschen. Er lässt sich wie ein Opferlamm töten, um die Schuld und die Sünden der Menschen auf sich zu nehmen. Nicht aber der Tod von Jesus ist das wirklich Wichtige, sondern seine Auferweckung durch Gott: Gott hat den Gekreuzigten zu einer neuen Art von Leben erweckt. Jesus ist Gottes Sohn. Er stirbt am Kreuz.  Aber das ist nicht das Ende, es ist ein neuer Anfang. Denn Jesus überwindet den Tod. In dieser österlichen Gewissheit liegt das Geheimnis des christlichen Glaubens.

An den Tagen zwischen Palmsonntag, dem 5. April, und Ostermontag, 13. April findet sich hier jeden Tag ein Stück von der Ostergeschichte.

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Sonntag, 05.04.2020:

Der Einzug in Jerusalem

Zur der Zeit, als Jesus lebte, war Jerusalem, das im heutigen Israel liegt, für damalige Verhältnisse eine große StadtRund 40.000 Einwohner soll es gehabt haben. Das ist doppelt so groß wie Sarstedt heute. Damit war Jerusalem zwar viel kleiner als Rom, das damals schon doppelt so groß war wie heute Hannover aber Jerusalem hatte etwas ganz Wichtiges: den Tempel. Dort beteten die Juden zu Gott. Dafür kamen sie zu den hohen Feiertagen aus dem ganzen Land angereist.

Und so ging auch Jesus an einem Sonntag nach Jerusalem, um das jüdische Passahfest mitzufeiern. Freunde, seine Jünger, die an ihn glaubten, begleiteten ihn. Sie dachten: „Geht er jetzt nach Jerusalem, um König aller Juden zu werden und zu herrschen?“ Im Land waren zu der Zeit die Römer an der Macht. Und das mochten viele Israeliten nicht. Sie wollten lieber, dass ein Jude wie Jesus König wird und die Römer vertreibt.

Am Ölberg, der nahe bei Jerusalem liegt, kamen sie an einem Dorf vorbei. Da schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: „Geht in das Dorf. Gleich am Eingang werdet ihr einen jungen Esel sehen. Er ist mit einem Strick an einem Pfosten angebunden. Bindet ihn los und bringt ihn mir. Und wenn euch einer fragt, warum ihr das tut, dann sagt ihm: „Der Herr braucht ihn.“ Und genau so geschah es auch. Sie gingen in das Dorf, da stand der Esel und sie banden ihn los. Und Männer fragten sie, warum sie das täten. Und die Antwort, dass der Herr den Esel brauche, fanden die Männer vollkommen O.K.

Und Jesus setzte sich auf den Esel und ritt zur Stadt Jerusalem. Da freuten sich die Leute. Denn sie wussten, „da kommt unser neuer König!“ Sie nahmen ihre Mäntel von den Schultern und legten sie auf den Boden. Danach schlugen sie Palmenzweige von den Palmen ab und legten sie dazu. So konnte Jesus wie über einen „Roten Teppich“ in die Stadt reiten. Und die Menschen sangen „Hosianna!“, das ist so eine Art Freudenjubel. „Hosianna, unser König kommt!“

Das fanden aber die Priester gar nicht gut. Sie waren eifersüchtig. Sie hörten die Jubelrufe und dachten: „Die Leute haben Jesus zu sehr lieb. Sie sollen aber auf uns hören. Wir sind viel klüger als dieser Jesus!“ Als Jesus dann heranritt, wurden sie richtig böse. Das war doch kein König! Und sie wollten, dass Jesus seinen Fans verbietet, ihn einen König zu nennen.

Doch Jesus lies die Menschen weiter jubeln. Denn er war ja ein König, nur anders, als die Leute dachten. Kein gewöhnlicher König, mit einem Palast und Soldaten. Nein, er wollte nicht gegen Feinde aus anderen Ländern kämpfen und keine goldene Krone tragen. Er wollte nur gegen das Böse in der Welt kämpfen. Und wenn das Böse besiegt sei, dann würde er auch König sein über die ganze Welt. Ein Friedenskönig.

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Montag, 06.04.2020:

Die Reinigung des Tempels

Und als Jesus in Jerusalem war, da ging er in den Tempel. Da fand er Leute sitzen, die Ochsen, Schafe und Tauben verkauften. Andere wechselten Geld um. Denn es waren Menschen aus vielen verschiedenen Ländern in der Stadt und die hatten Geld aus ihren Heimatländern in verschiedenen Währungen dabei. Jesus machte aber aus Stricken eine Art Peitsche und jagte alle zum Tempel hinaus, mitsamt den Ochsen und den Schafen und den Körben mit den Tauben. Und den Geldwechslern verschüttete er das Geld und stieß ihre Tische um. Und er rief: „Das Haus meines Vaters ist ein Haus zum Beten. Ihr aber habt es zu einem Kaufhaus gemacht!“ Als die Priester das hörten, wurde sie wieder ganz zornig: „Was bildet sich dieser Kerl ein, der sagt, das Haus Gottes ist sein Vaterhaus! Er sagt, er ist der Sohn Gottes! Das ist einfach unerhört!“ Und sie beschlossen, Jesus töten zu lassen.

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Dienstag, 07.04.2020:

Die Feinde des Jesus

Am nächsten Morgen ging Jesus mit seinen Freunden wieder nach Jerusalem. Er redete im Tempel zum Volk. Das waren einfache Leute, aber er sprach so, dass sie verstanden, was er meinte. Und die Menschen liebten ihn dafür, dass er nicht so kompliziert wie die Schriftgelehrten und Priester redete.

Der wichtigste unter den Priestern, das war der Hohepriester, der hieß Kaiphas. Er, die Schriftgelehrten und die Priester hassten Jesus gerade dafür, dass das Volk ihn toll fand. Und sie machten einen Plan, wie sie ihn fangen und töten könnten. Doch sie hatten Angst vor dem Volk. Denn das hatte Jesus lieb.

Einer aber unter den zwölf Jüngern, Judas liebte das Geld. Und er zweifelte auch plötzlich, ob Jesus nun wirklich Gottes Sohn sei. Und so ging er zu den Priestern und sagte: „Was gebt ihr mir, damit ich Jesus verrate?“ Da freuten sich die Priester. Und sie boten Judas 30 Silbermünzen an für den Verrat. Doch niemand sollte merken, dass die Priester Jesus etwas Böses vorhatten. Deshalb sollte alles geheim ablaufen.

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Mittwoch, 08.04.2020:

Wichtig ist, einander zu helfen

Als der Tag kam, an dem das Passahfest gefeiert werden sollte, gab es in allen Familien viel zu tun. Es sollte ein Festessen geben. Ein Lamm wurde geschlachtet zum Essen, und Brot wurde gebacken.

Auch Jesus und die Jünger wollten zusammen essen und feiern. Deshalb rief er seine Jünger Petrus und Johannes zu sich. Er bat sie: „Geht in die Stadt und bereitet das Mahl für uns zu.“ Und sie fragten ihn: „Wo sollen wir denn das Essen zubereiten?“ Und er sagte: „In der Stadt trefft ihr einen Mann, der einen Krug trägt. Dem lauft ihr hinterher bis er in ein Haus geht. Und dann fragt ihr den Besitzer des Hauses: „Wo kann Jesus das Passahmahl halten?“ Und er wird euch einen schönen Saal zeigen, wo der Tisch schon bereitsteht. Und dort bereitet ihr uns das Lamm zu.“

Und am Abend kam Jesus mit seinen restlichen Jüngern. Weil es draußen auf den Straßen immer staubig war, war es damals üblich, dass ein Diener den Gästen die Füße in einer Schüssel wusch, mit Wasser aus einem Wasserkrug. Doch an diesem Abend war da kein Diener. Und die Jünger wunderten sich. Sollten sie etwa selber diese Schmutzarbeit tun? Das war doch Diener-Arbeit!

Und sie ließen ihre Füße staubig und setzten sich zum Essen. Doch da stand Jesus auf. Und ohne ein Wort zu sagen, nahm er ein Tuch, goss Wasser in eine Schüssel und trug diese zu den Jüngern. Und dann fing Jesus einfach an, seinen Jüngern, einem nach dem anderen, die Füße zu waschen. Das war ihnen aber peinlich! Ihr Herr, ihr Meister, der konnte doch nicht einfach solche Arbeit tun. Er war doch kein Diener! Und Petrus rief: „Herr, das geht nicht, das lasse ich nicht zu!“ Doch Jesus sprach: „Petrus, jetzt verstehst Du noch nicht, warum ich das tue. Aber Du wirst es verstehen. Und glaube mir: Wenn ich Dir nicht die Füße wasche, dann gehörst Du nicht richtig zu mir. Wer in Gottes Königreich groß sein möchte, der muss lernen, anderen zu dienen.“ Da bat Petrus: „Dann, bitte, Jesus, wasch mich gleich ganz, auch die Hände und das Gesicht!“ Aber Jesus antwortete: Das ist gar nicht nötig. Die Füße sind genug.“ Und er wusch allen zwölf Jüngern ihr insgesamt 24 Füße.

Danach setzte er sich wieder zu ihnen an den Tisch. „Seht, meine Freunde“, sagte er dann, ich bin euer Herr. Und doch habe ich getan, was sonst nur Diener tun. Das soll euch ein Vorbild sein, auch ihr sollt einander dienen.“ Jetzt schämten sich die Jünger schon ein bisschen. Sie wussten ja noch nicht, was Jesus noch alles für sie tun würde.

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Gründonnerstag, 09.04.2020

Das letzte gemeinsame Mahl

Dann konnte, an diesem Donnerstagabend, das Passahmahl endlich beginnen. Es gab das leckere Lamm, mit Kräutern gewürzt, gutes Brot und dazu Wein. Alle Jünger schauten voller freudiger Erwartung auf Jesus.

Doch der war traurig. Er sagte: „Das ist das letzte Mal, dass wir zusammen essen. Bald werden mich meine Feinde fangen und töten. Und einer von euch wird mich verraten.“

Das wollten die Jünger nicht glauben. Einer von ihnen? Sie hatten doch alle Jesus lieb! Und sie rätselten: „Wer wird dich verraten? Ich?“ „Sollte ich der Verräter sein?“ „Oder ich?“ Und Jesus antwortete. Er sagte: „Der, der nun mit mir aus einer Schüssel isst, der wird mich verraten.“ Das war aber Judas. Und der erschrak und fragte: „Ich werde dich verraten?“ „Ja“ sagte Jesus, „Du wirst mich verraten.“ Doch das verstanden die anderen nicht. Sie warteten nun darauf, dass Jesus die Worte sprach, die immer beim Passahfest gesprochen wurden, weil es so Brauch war. Und Jesus nahm das Brot, dankte dafür Gott, dann brach er es entzwei und gab es den Jüngern reihum. Und dazu sprach er: „Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ Und dann nahm er den großen Becher mit Wein. Er hob auch diesen hoch und gab ihn seinen Jüngern. Und er dankte Gott auch für den Wein. Und er sprach: „Trinkt alle daraus. Das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Da waren die Jünger ziemlich aufgeregt. Denn das waren gar nicht die Worte, die beim Passahfest üblich waren. Das waren neue, unbekannte Worte. Worte, die von nichts Gutem handelten. Worte, die davon sprachen, dass Jesus bald tot sein würde.

Und so wurde dieses Festessen ganz anders, als die Jünger es sich anfangs gedacht hatten.

Als es dann zu ende war, ging Jesus hinaus in die Dunkelheit. Elf seiner zwölf Jünger folgten ihm. Nur einer nicht. Judas war nicht mehr dabei. Wo er wohl war? Doch keiner wagte, Jesus zu fragen. Stattdessen gingen sie hinaus aus der Stadt. In der Nähe des Ölbergs, gab es einen Garten, der hieß Gethsemane. Da wollten sie hin. In dem Garten wollten sie die Nacht verbringen unter dem Sternenhimmel. Als Jesus sich plötzlich umdrehte, waren alle erschrocken. Denn Jesus sagte: „Hört, in dieser Nacht werdet ihr mich alle verlassen.“ Petrus aber widersprach: „Ich nicht, Herr, ich werde dich nie verlassen, auch wenn alle anderen weggehen!“ Und Jesus antwortete: „Doch, Petrus, auch du! Noch bevor am frühen Morgen der Hahn drüben im Dorf kräht, wirst du dich von mir abgewendet haben. Noch bevor der Hahn gekräht hat, wirst du dreimal gesagt haben, du kennst mich nicht.“ Da war der Aufschrei bei Petrus und den anderen Jüngern groß. Sie würden ihren Herrn und Meister doch nie verlassen! Jesus aber wusste es besser. Er schwieg und ging mit ihnen in den Garten Gethsemane. Dort ließ er fast alle gleich vorne am Eingang warten. Er sagte, er wolle weiter hinten im Garten beten. Nur drei Jünger nahm er dazu mit. Aber ein Stück weiter ließ er auch diese drei sich niedersetzen. Sie sollten dort wachen, das heißt wach bleiben und aufpassen, während er noch weiter ging. Und da ganz hinten, mitten im dunklen Garten, da kniete sich Jesus hin, ganz allein mit seiner Traurigkeit und Angst. Er wusste, dass ihm Schlimmes bevorstand. Und er betete: „Lieber Vater, wenn es möglich ist, dann mach, dass ich nicht leiden muss!“ Er sagte aber auch - denn er vertraute seinem Vater, dem lieben Gott, mehr als allem anderen: „Aber nicht wie ich es will, soll es sein. Es soll so geschehen, wie du es willst.“ Das war ein langes Gespräch, das Jesus da mit seinem Vater hatte, mitten im dunklen Garten, ganz allein. Als er aber dann zurück zu den drei Jüngern kam, die er im Garten zurückgelassen hatte, da schliefen sie. Jesus weckte sie. „Petrus, und ihr anderen, könnt ihr nicht mal ein bisschen wach bleiben? Jetzt wacht und betet, damit ihr nicht wieder in Versuchung kommt!“ Und er ging nochmal in den Garten. Und wieder sprach er mit Gott. Und er sagte: „Vater, wenn es denn sein muss, dass ich sterben soll, dann ist das halt so. Dann bin ich bereit. Dein Wille geschehe.“ Und er ging wieder zurück zu den Jüngern. Und die waren schon wieder eingeschlafen. Da ließ Jesus sie schlafen und betete ein drittes Mal im Garten. Und niemand sonst sah und hörte ihn als Gott, sein Vater. Aber das gab ihm Kraft und tröstete ihn.

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Karfreitag, 10.04.2020

Jesus wird verurteilt

Der nächste Morgen war ein Freitag. Jesus wusste, heute würde es geschehen: das, wovor er doch so große Angst hatte. Ja, er hatte seinem Vater gesagt hatte, er vertraue ihm. Aber Angst hatte er trotzdem. Jesus wusste, dies würde der Tag sein, an dem er sterben müsste. Das war so vorhergesagt.

Jesus weckte seine Jünger, die in der morgendlichen Kühle noch friedlich schliefen: „Steht auf, gleich kommen sie, um mich zu holen! Seht, der Verräter ist schon da!“ Und da kamen auch schon Männer. Die waren bewaffnet mit Stangen und Schwertern. Das waren Männer, die für den Hohepriester arbeiteten. Und Judas führte sie an und zeigte ihnen den Weg. Die eben noch schlaftrunkenen Jünger waren plötzlich hellwach. Was hatte Judas vor? Da war der auch schon bei ihnen. Er grüßte und küsste Jesus. Das war das geheime Zeichen, auf das die Knechte des Hohepriesters nur gewartet hatten: Der, den Judas küsste, das war Jesus. Und den nahmen sie gefangen und fesselten ihn wie einen Verbrecher. Und Petrus wurde plötzlich ganz mutig, er schnappte sich ein Schwert und ging damit auf einen der Knechte los. Aber Jesus rief ihn zurück: „Stopp, Petrus, nicht! Mein Vater im Himmel könnte mir ein Heer von Engeln schicken, um mich zu retten. Aber es muss so geschehen, wie es gerade geschieht. Gott will das so.“ Als sich Jesus dann noch an die Knechte wandte undsie fragte: „Warum überfallt ihr mich hier, heimlich im Garten? Ich war doch jeden Tag im Tempel, warum habt ihr mich nicht dort verhaftet? Aber ich weiß schon, das musste so sein…“  Da bekamen es die Jünger erst recht mit der Angst und sie liefen davon.

Die Knechte aber brachten Jesus vor den Hohepriester, der hieß Kaiphas. Der wollte hören, was Jesus denn nun verbrochen hätte. Dafür sollten Zeugen aussagen. Und die klagten Jesus an: „Er wollte den Tempel zerstören!“, „Jesus hat die Leute aufgehetzt!“ Lauter Vorwürfe, die alle nicht wahr waren. Aber Jesus verteidigte sich nicht. Er sagte kein Wort.

Der Hohepriester Kaiphas aber wollte es nun genau wissen: „Sag uns nur dies eine: Bist Du der Sohn Gottes, der Retter, ja oder nein?“ Und Jesus antwortete: „Ja. Ich bin Gottes Sohn. Und ich sage euch, nun gehe ich zu meinem Vater. Aber irgendwann werde ich wiederkommen. Und dann werdet ihr das auch erkennen.“

Da wurde Kaiphas zornig. Er schrie: „Der da lügt! Das ist Gotteslästerung! Er ist nicht Gottes Sohn! Er ist der Sohn von Josef aus Nazareth, einem einfachen Menschen! Was meint ihr, was hat er für diese Lüge für eine Strafe verdient?“ Und alle schrien: „Er muss sterben!“ Und sie schlugen und traten und bespuckten ihn. Und dann machten sie sich über ihn lustig. Jesus aber sagte wieder kein Wort.

Draußen auf dem Hof warteten währenddessen die Männer, die Jesus verhaftet hatten. Bei ihnen waren auch ein paar Dienerinnen. Als durch das Tor ein Mann schlich und sich still zu den Männern setzte, da haben sie ihn erst gar nicht bemerkt. Bis eine der Dienerinnen sich vor dem Mann aufbaute und ihn vorlaut ansprach: „Du, du da, du gehörst doch auch zu diesem Jesus!“ Der Mann aber wehrte erschrocken ab: „Ich, nein, ich weiß gar nicht was du meinst, ich kenne den nicht!“ Und er rannte schnell zum Tor. Da stand aber eine zweite Dienerin. Und auch die zeigte mit dem Finger auf ihn und rief: „Der da, der gehört auch zu Jesus!“ Und der Mann widersprach erneut: „Nein, nein, ich kenne diesen Jesus nicht!“ Und als alle anderen dann zusammenliefen und erneut meinten: „Doch, doch, du kommst doch aus der gleichen Gegend wie er, du gehörst zu ihm!“, da rief der Mann wieder: „Bei Gott, nein, ich kenne diesen Menschen nicht!“ Der Mann, der nun aber dreimal gesagt hatte, er kenne Jesus nicht, war Petrus gewesen. Und dann krähte der Hahn. Da rannte Petrus verzweifelt davon. Denn genauso hatte es ihm Jesus doch vorhergesagt, dass es geschehen würde!

Nun sollte Jesus sterben. Töten durften ihn aber nur die Römer, die waren für die Gerichtsbarkeit im Land zuständig. Deshalb wurde Jesus zu dem Römer Pontius Pilatus geführt. Der herrschte damals über das Land; der römische Kaiser hatte ihm dazu die Macht verliehen. Pontius Pilatus wollte nun von den Priestern wissen: „Warum wollt ihr, dass ich Jesus verurteile? Was hat er getan?“ Und die Priester waren ganz aufgebracht: „Dieser Jesus hat das Volk aufgehetzt. Er hat gesagt, er sei der König!“ Deshalb fragte Pontius Pilatus Jesus ganz direkt: „Bist du der König der Juden?“ Und Jesus antwortete mit „Ja.“ Die anderen aber waren wütend: „Er lügt, glaub´ ihm nicht!“ Jesus aber schwieg. Und Pilatus wurde unsicher. Wem sollte er jetzt glauben? Was, wenn Jesus unschuldig war? Dann kam auch noch ein Diener mit einer Nachricht von Pontius´ Frau. Die bat ihren Mann in dem Brief: „Mein lieber Pontius, verurteile Jesus nicht. Ich habe heute Nacht im Traum ganz deutlich gesehen, dass Jesus unschuldig ist. Deine Dich liebende Frau.“ Was sollte Pontius nun glauben? Er hatte eine Idee. Er befahl seinen Soldaten, einen verurteilten Mörderaus dem Gefängnis zu holen. Der Mörder hieß Barrabas. Dann ließ Pontius die beiden Gefangenen, Jesus und Barrabas, vor seine Burg führen. Er zeigte beide den dort wartenden Menschen und machte ihnen ein Angebot: „Ihr habt doch morgen ein für euch wichtiges Fest. Da will ich euch was schenken. Einen Gefangenen lasse ich frei. Sagt mir nur, welchen von diesen beiden!“ Bei sich dachte Pontius: „Die Leute wollen bestimmt diesen Jesus haben. Der ist doch nicht so gefährlich wie Barrabas, der Menschen umgebracht hat.“ Die Priester aber stachelten das Volk an: „Los, schreit, ihr wollt Barrabas haben!“ Und die Leute schrien: „Lass Barrabas frei!“ Und Pontius fragte weiter: „Und was soll ich dann mit Jesus machen?“ Da schrien alle, ganz aufgestachelt und aufgeregt: „Ans Kreuz mit ihm, kreuzigt ihn!!“ Pontius war das wirklich unangenehm. Am liebsten hätte er mit der ganzen Sache nichts zu tun gehabt. Für alle sichtbar wusch er sich deshalb seine Hände in einer Schüssel mit Wasser. Das sollte bedeuten: Seht, ich wasche meine Hände in Unschuld, ich bin sauber, ich habe nichts falsch gemacht. Dann übergab er Jesus an seine Soldaten und sagte: „Macht mit ihm, was ihr wollt.“

Und sie rissen Jesus seine Kleider vom Leib und peitschten ihn aus. Sie flochten eine Krone aus Dornen, die sie ihm auf den Kopf drückten und verspotteten ihn: „Was für ein toller König!“

Dann führten sie Jesus vor die Mauern der Stadt. Da war ein Hügel, der hieß Golgatha. Jesus musste sogar das große, schwere Holzkreuz, an dem er gekreuzigt werden sollte, selbst fast den ganzen Weg von der Stadt bis auf den Hügel tragen. Dort nahmen sie Nägel und nagelten ihn mit den Händen und den Füßen an das Kreuz. Und obendrauf schrieben sie „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Dann stellten sie das Kreuz auf.

Es standen aber auch noch zwei weitere Kreuze auf dem Hügel, rechts und links von Jesus. An denen hingen zwei Verbrecher. Die waren noch ziemlich frech: „Du da, wenn du wirklich Gottes Sohn bist, dann beweis´ uns das doch, los, steig vom Kreuz runter, wenn du kannst!“ Und auch die Zuschauer machten sich über Jesus lustig: „Ja, ja, er soll zeigen was er kann, wenn er wirklich der König der Juden ist! Wenn er allen anderen geholfen hat, dann soll er sich jetzt mal selbst helfen! Dann wollen wir ihm auch glauben!“ Jesus aber machte gar nichts. Keine Reaktion. Er schwieg. Und als es Mittag wurde, da verschwand plötzlich die Sonne, als ob es Nacht würde. Und nach Stunden der Dunkelheit schrie Jesus: „Mein Gott! Mein Gott! Warum hast Du mich verlassen?“ Und sie spotteten wieder über Jesus: „Hört, jetzt schreit er um Hilfe!“ Und einer tauchte einen Schwamm in Essig, steckte den an eine Stange und gab Jesus damit zu trinken. Dann schrie Jesus ein zweites Mal. Und starb.

Und die Erde bebte plötzlich, alles zitterte, Steine brachen und im Tempel riss der Vorhang, der vor dem allerheiligsten Bereich hing, in der Mitte entzwei. Das hatte ein römischer Offizier, der mit seinen Soldaten unter dem Kreuz stand, alles beobachtete. Und der Offizier, er hatte den Rang eine Hauptmanns, der erkannte plötzlich: „Wahrhaftig, dieser Mensch ist wirklich Gottes Sohn!“

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Karsamstag, 11.04.2020

Ein Grab für Jesus

Karfreitag, das bedeutet soviel wie Klagen- und Weinen-Freitag. An dem Freitagabend nun, als Jesus am Kreuz gestorben war, da kam ein reicher Herr, Josef von Arimathia. Der gehörte zu den wichtigen Leuten in der Stadt. Und weil er ein heimlicher Freund von Jesus gewesen war, bat er Pontius um die Leiche von Jesus. Er wollte sie begraben. Das war bei verurteilten Verbrechern gar nicht üblich. Normalerweise ließ man die toten Verurteilten einfach an den Kreuzen hängen. Doch Pontius gab die Erlaubnis. Und so nahm Josef den Leichnam und brachte ihn in eine nahe Grabhöhle. Die hatte er sich eigentlich für sich selbst ausgesucht. Wenn er selbst mal sterben würde, dann wollte er ein schönes Grab in den Felsen bei der Stadt haben. Doch nun legte Josef von Arimathia Jesus in diese Grabhöhle. Und er rollte einen großen Stein vor den Eingang.

Und am nächsten Tag machten sich die Priester und der Hohepriester schon wieder Sorgen. Es war eigentlich ein Feiertag. Keiner arbeitete in der Stadt. Aber die Priester dachten: „Was, wenn nun die Jünger Jesus aus dem Grab stehlen?“„Was, wenn die Jünger dann behaupten, Jesus sein gar nicht tot?“ Und sie beschlossen: „Das müssen wir verhindern!“ Und sie baten Pontius Pilatus: „Stell Soldaten vor die Grabhöhle. Lass sie Wache stehen, Tag und Nacht, damit niemand die Leiche klaut!“

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Ostersonntag, 12.04.2020

Jesus lebt!

Am nächsten Morgen war der Festtag vorbei. Es war noch dunkel, als zwei Frauen an diesem frühen Sonntagmorgen durch die Straßen gingen. Maria und Maria Magdalena hießen sie. Sie wollten zu der Grabhöhle, in der Jesus lag. Dort wollten sie ihn mit einem gut duftenden Öl einsalben. Das machte man zu der damaligen Zeit mit wichtigen, verehrten, geliebten Menschen, die gestorben waren.

Als sie aber zum Grab kamen, sahen sie schon von weitem den großen Stein, der den Eingang versperrte. „Maria, wie sollen wir nur in die Höhle kommen?“, fragte Maria Magdalena. Und Maria fragte zurück: „Wer kann uns den nur wegrollen? Wir können so ja gar nicht zum Leichnam von Jesus!“ Da kam plötzlich ein Blitz vom Himmel. Die Wächter am Grab erschraken genau wie die Frauen fürchterlich, alles bebte. Als sich die Frauen aber wieder vom Schreck erholt hatten und erneut zum Grab schauten, gab es die nächste Überraschung: Der Stein war zur Seite gerollt. Sie liefen schnell zum Grab. Und erschraken wieder: Das Grab war leer. Kein Jesus. Aber am Eingang des Grabes saß ein Engel, der sprach: „Fürchtet euch nicht. Ich weiß, was ihr sucht. Aber der gekreuzigte Jesus ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er es gesagt hat.“ Da wussten die Frauen nicht, ob sie lachen oder weinen sollten. Und als sie so aufgeregt zur Stadt zurückliefen, da kam ein Mann auf sie zu. Und sie erkannten ihn: Jesus. Er lebte! Und Jesus sprach auch: „Fürchtet euch nicht.“ Und er bat sie: „Geht schnell zu meinen Jüngern. Erzählt ihnen, was geschehen ist. Was ihr hier gesehen habt.Und sagt ihnen auch, dass sie mich wiedersehen werden!“

Als aber die Frauen mit der frohen Nachricht, dass sie selbst den auferstanden Jesus gesehen hätten, zu den Jüngern kamen, da wollten die Jünger nichts hören, glaubten den Frauen nicht und weinten weiter. Warum hätte Jesus gerade den Frauen erscheinen sollen und nicht ihnen, seinen Freunden?

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Ostermontag, 13.04.2020

Wiedersehen

Nachdem die Jünger lange noch den Tag über zusammen getrauert hatten, wurde es Abend. Zwei von Jesus´ Freunden wanderten von Jerusalem zu dem kleinen Dorf Emmaus. Sie waren traurig. Sie konnten nicht verstehen, warum in den letzten Tagen so viel Fürchterliches mit Jesus geschehen war.

Doch während sie miteinander redeten, kam ein Mann hinter ihnen her, holte sie ein und ging mit ihnen. Sie bemerkten ihn erst gar nicht, so vertieft waren sie in ihr Gespräch und ihr trauriges Thema. Aber der Mann sprach sie an und fragte: „Wovon redet ihr? Was macht euch so traurig?“ Das erstaunte sie: „Weißt du denn gar nicht, was in Jerusalem passiert ist?“ Und sie erzählten ihm von Jesus und dem Hohepriester, von Pontius Pilatus und der Verurteilung. Davon, dass Jesus ans Kreuz genagelt wurde und dort starb. „Dabei wollte er nur Gutes tun. Wir hatten so gehofft, dass er unser Retter ist. Aber nun ist er schon den dritten Tag tot.“ Die beiden Freunde erzählten dem Fremden aber auch: „Heute morgen sind Frauen zu uns gekommen, die waren am Grab. Und die sagen, dass das Grab leer ist und Jesus lebt! Wir wissen gar nicht mehr, was wir glauben sollen.“

Da wurde der fremde Mann ganz heftig: „Was ist denn los? Warum wollt ihr denn nicht glauben, was die Frauen erzählt haben? Das haben doch auch die Propheten schon vorhergesagt! Die haben doch schon vor langem gewusst, dass Jesus, wenn er denn der Retter sein soll, leiden und sterben muss!“ Und der Fremde erzählte ihnen alles, was über den erhofften Retter in den Heiligen Schriften der Juden stand, so, dass sie es verstanden.

Und als sie am Abend in Emmaus ankamen, da luden sie ihn ein, bei ihnen zu bleiben. „Bleib bei uns, Fremder, bald ist es Nacht.“ Und der Fremde ging mit ihnen in ihr Haus und setzte sich mit ihnen an den Tisch zum Essen. Und dann nahm er das Brot, dankte Gott dafür, brach es und gab es den beiden. Da begriffen sie es ganz plötzlich: Das hier war Jesus, der da vor ihnen saß! Lebendig saß ihr Herr und Retter bei ihnen! Und als sie dies begriffen hatten und ihn deshalb ansprechen wollten, da war er verschwunden.

„Wie ist das möglich?“, fragten sie sich. „Jetzt sind wir so lange mit ihm gegangen und haben ihn den ganzen Tag nicht erkannt. Aber als er von den Heiligen Schriften sprach, da wurde uns ganz warm uns Herz.“ Und sie standen schnell auf, liefen durch die Dunkelheit zurück nach Jerusalem und klopften an alle Türen: „Jesus lebt!“ Und die Jünger in Jerusalem hatte inzwischen auch von Petrus gehört, dem Jesus ebenfalls erschienen war. Und so freuten sich alle. Und während sie noch miteinander redeten, stand plötzlich Jesus zwischen ihnen und sprach: „Friede sei mit euch!“ Und wieder waren die Jünger erschrocken. Fenster und Türen waren doch zu. Wie war er hereingekommen? War er ein Geist? Da zeigte Jesus ihnen seine Hände und Füße mit den grässlichen Wunden, die die Nägel vom Kreuz verursacht hatten. „Glaubt es. Ich bin es wirklich.“ Und er aß und trank mit ihnen.

Noch oft zeigtesich Jesus in den folgenden 40 Tagen seinen Freunden. Thomas, der nicht glauben wollte, was man ihm erzählte, wurde überzeugt, als er Jesus mit seinen eigenen Augen sah. Und als die Jünger an einem anderen Tag am See Genezareth fischen gingen, da blieben ihre Netze leer, kein Fisch verfing sich darin. Sie wollten schon aufgeben. Dann aber rief ihnen ein Fremder vom Ufer aus zu, sie sollten es nochmal probieren. Und – welch Überraschung – die Netze füllten sich. So erkannten sie immer wieder ihren Herren. Und Petrus, der doch dreimal gesagt hatte, dass er nicht zu Jesus gehört und ihn nicht kennt, der wurde auch froh. Denn Jesus fragte Petrus am See Genezareth dreimal: „Petrus, sag, hast du mich lieb?“ Und Petrus antwortete dreimal: „Ja Herr, du weißt doch, dass ich dich liebhabe.“ Da vergab Jesus Petrus und gab ihm den Auftrag, sich um die Menschen zu kümmern und ihnen von Jesus und Gott zu erzählen, wenn Jesus mal nicht mehr da sein werde.

 

Bilder und Nacherzählung: Christina Steffani-Böringer