Auf ein Wort

Ostersonntag

Der Gekreuzigte und das leere Grab.
Eines der ganz großen Geheimnisse dieser Welt.

Für die einen Grund des Glaubens.
Die größte Religionsgemeinschaft entstand daraus.
Diese finden Kraft und Halt für ihr Leben.

Für andere ist das leere Grab eine Irritation.
Jesus als Vorbild, da sagen sie Ja.
Dass es einen Schöpfergott gibt,
da stimmen sie zu.
Aber ein leeres Grab?
Ein Auferstandener an der Seite der Emmausjünger?
Diese blenden aus, obwohl sie glauben.

Und für wieder andere ist es schlicht Zinnober.
Das leere Grab als Wunschvorstellung.
Gedacht für einfache Leute ohne Alphabetisierung.
Und ohne Internetanschluss...
Die Zinnoberfraktion glaubt nur, was sich beweisen läßt.
Ein Glaubensbegriff, der nicht den Glauben meint.

1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. 2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab 3 und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. 4 Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. 5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? 6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war 7 und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. 8 Und sie gedachten an seine Worte. 9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. 10 Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. 11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. 12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war. (Lk.24)

3 – 11 – 1: Das sind die Schlüsselzahlen zum Textverständnis.

3 – 11 – 1: Es sind nämlich drei Frauen, die zuerst am Grab ankommen. Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter. Sie finden es leer vor. Engelartige Gestalten erinnern sie, dass sie nur das finden, was Jesus selbst angekündigt hatte. Sie machen kehrt und erzählen es zu Haus. Sie werden zu Ersterzählern, sind sozusagen entscheidend für diese Botschaft. Hätten sie aus Schreck oder Scham geschwiegen, würden wir heute nicht Ostern feiern. Wir wären in Karfreitag steckengeblieben. Hinzu kommt, dass es Frauen sind. Heute können Frauen Bundeskanzlerin werden. Damals hat sie nicht einmal das Recht an der eigenen Person. Sie waren juristisch Teil des Besitzes ihres Mannes. Das Streben nach Recht und Gerechtigkeit, das Jesus so wichtig war, findet hier seine Konkretion. An der Schaltstelle der ersten Auferstehungserfahrung wirken Frauen. Nicht Jünger, nicht Gelehrte, nicht Potentaten. Wie gut! Ein erster Effekt aus Lk.24: Ostern erinnert an Recht und Gerechtigkeit.

3 – 11 – 1: Die elf Jünger reagieren, wie sie als Männer, die sich einerseits wichtig fühlen und andererseits gerade nicht wissen, wer sie noch sind, vielleicht nicht anders können: Sie tun den Bericht vom leeren Grab als Geschwätz ab. Sie wollen die Frauen ignorieren. Eine auf den ersten Blick verständliche, aber eben auch schwache Leistung. Ein zweiter Effekt: Ostern erinnert daran, dass Menschen sich ernst nehmen dürfen. Sich selbst und andere.

3 – 11 – 1: Die Eins. Einer bricht aus aus der Gruppe. Petrus. Petrus, der der Fels der Kirche werden sollte. Petrus, der Jesus verleugnet hatte. Petrus bricht aus und er bricht auf. Er schaut sich das Grab selbst an. Er will nachvollziehen können, was die Frauen bewegt hat. Er wird selbst bewegt. Und er findet eine Haltung, die ihn weiterbringt und das, was die drei Fruen berichtet hatten, stehen lassen kann. Petrus wundert sich. Dazu gehören Mut und die Bereitschaft, sich einzulassen auf etwas, das nicht ganz klar ist. Ein anderer Begriff für glauben. Erst einmal wundert Petrus sich. Es ist ein dritter Effekt: Ostern muss nicht schwarz-weiß betrachtet werden. Das Fest der Auferstehung darf erst einmal zum vertrauensvollen Wundern führen. Eine Einstellung, die viel bewirken kann.

3 – 11 – 1: Gerechtigkeit, Würdigung und Offen-Sein. Wo wir heute unserem Glauben in diesem Licht der lukanischen Erzählung nachgehen, da kann viel Gutes entstehen. Mit der Auferstehung seines Sohnes geht es Gott um unsere Haltung zum Leben. Um unsere Hoffnung. Um unser Füreinander-da-Sein. Um unser Vertrauen, dass das Leben weitergehen kann. Erst hier. Dann da.

3 – 11 – 1: Die Osterkombination für eines der ganz großen Geheimnisse dieser Welt.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Ostern.
Herzlich, Ihr Pastor Matthias Fricke

Matthias Fricke Zieseniß 2
Pastor Matthias Fricke-Zieseniß