Auf ein Wort

„Das Leben ist kostbar...“

Liebe Besuchende unserer Homepage,

das sagen wir Kirchenleute jedes Jahr in der Passionszeit. Die Passion Jesu gehört in die Kulturgeschichte unseres Landes. Es gibt keine Auferstehung, also kein Osterfest, ohne dass Jesus gelitten hat. Es gibt keine Freude wegen überwundenen Leides, wegen ausgehaltener Schicksalsschläge oder wegen überstandener Konflikte, um es mal in unser Leben zu übersetzen. Christus hat das vorgelebt und wurde deshalb immer auch als Mensch gesehen, nicht nur als Gottessohn.

Die Passionszeit, weithin gern übersehen und belächelt, hat Charakter. Sie nimmt Menschsein ernst. Sie nimmt Christus ernst. Sie spiegelt den Ernst des Lebens und ist darin wahrhaftig. Wie sagte jemand zu mir: „Das Leben ist kein Ponyhof“! Und doch: Gott geht mit Dir mit.

Dass das so ist und dass das Leben kostbar ist, merken wir in diesen Stunden, Tagen, Wochen auf gesellschaftlicher Ebene so deutlich wie kaum je zuvor. Schulen schließen, unsere Feuerwehr stoppt Übungen, Betriebe gehen zu Homeoffice über, die Eishockeyliga endet abrupt, Blasorchester, Gospelchöre vertagen sich, die Harmonikas schweigen. Manches bleibt, anderes muss neu sortiert werden. Auch unser kirchengemeindlicher Alltag verändert sich. "Warum?" fragen manche...

Warum? Weil das Prinzip Verantwortung gebietet, dem Virus die Stirn zu bieten, der unbekannt, unerforscht und für Minderheiten gefährlich über die Kontinente zieht. Sollte ein Präsident weiter denken und posaunen, es handele sich um etwas „Ausländisches“, dem man mit polizeilichen Mitteln begegnen könne, sollte er untersucht werden. Aber nicht auf das Virus hin...

Warum also ändert sich im Moment so viel? Weil jeder Todesfall eines immungeschwächten oder sonst gefährdeten Menschen, einer zu viel ist. „Mensch, denk an deine eigene Familie!“ möchte ich manchen zurufen, die immer noch denken, „sollen doch andere...“.

Unser Glaube kann uns uns die Kraft zu Geduld und Aushalten geben. Er stärkt uns, das Ungewöhnliche anzunehmen und Ruhe zu bewahren. Diese Ruhe, verbunden mit Umsicht und Verständnis, macht im Moment christliche Tugend aus. Ohne Hysterie und Panik wollen wir diese Zeit gemeinsam durchstehen. Und aufeinander Acht geben. Und uns bewähren.
Denn das Leben ist kostbar!

Eine ganz andere, neue Sicht auf Passion und Vernunft wünscht Ihnen und Euch herzlich
Matthias Fricke

Matthias Fricke Zieseniß 2
Pastor Matthias Fricke-Zieseniß